Nach der Schule►Album: Dok.-Film „Erste Liebe“ 1985 Vinyl-Single 1985/86 / "Songs aus Drei Dekaden" 2011M: Thomas Natschinski / T: Konrad Weiss
Als die kleine Band JESSICA plötzlich zu den großen 10 der DDR-Rockbands der Achtziger gehörte, bekamen wir allmählich auch exotische Angebote, die außerhalb unserer normalen Bandkreisläufe lagen. Z.B. das Angebot 3 Songs für einen Dokumentarfilm über DDR-Jugendliebe in unserer Art einzuspielen und einzusingen, die aber nicht aus unserer Feder stammten. So lernte ich den Komponisten Thomas Natschinski kennen, mit dem ich bis heute immer wieder gern gemeinsam Lieder schreibe. Texter der 3 Songs war Konrad Weiss, Regisseur des Films. Er ging zur Wendezeit in die Politik zu Bündnis 90 und gestaltete an vorderster Front bzw am berühmten „runden Tisch“ die deutsch-deutsche Wendepolitik mit. 1985 war das noch Zukunftsmusik. Zwei Lieder „Nach der Schule“ und „Aber wenn’s dann wirklich mal ist“ wurden auch von Amiga veröffentlicht. Allerdings nicht als reguläre Jessica-Singles. Das dritte Lied „Mach mich nicht an“ findet man bis heute n u r im Film selbst. Vielleicht ist der Grund darin zu suchen, dass ich etwas kühn und mit sächsischem Dialekt in einem Satz „Ihren Ausweis mal bidde“ die Vertreter der Volkspolizei auf die Schippe nahm. Wer weiß? Nordwind►Album: "Stark sein", 1999/ "Balladen", 2007In Stücken wie „Nordwind“ sind sich die Seelen der beiden Freunde und Kreativpartner Eisbrenner und Drechsler immer am leichtesten begegnet. Andrés melancholische Ader und mein Hang zu Folk und Chanson begegnen sich auf solchen Plateaus und das gemeinsame Songschreiben wird zu einem Spaziergang. Abseits dessen neigt er zu klassischer Rockstruktur á la U2, Stones oder Hendrix, während ich mich an Sting, Gabriel und allem, was Weltmusik integriert, orientiere. Natürlich gibt es auch da viele Schnittpunkte und gemeinsames Universum wächst ja auch durch Reibungspunkte… aber dann kommt wieder ein Song wie „Nordwind“ aus seiner Gitarre und alles wird leicht und weit zwischen uns… Polaroid►Album: CD HAUSBOOT „Strom ab“ , 2010M: Heiner Lürig / T: Eisbrenner
Wenn man diesen Song hört, könnte man meinen, er stamme aus dem Projekt „Der wilde Garten“, so fremdländisch eigen instrumentiert wie er ist. Und die Chorgesänge! Schnee soll fallen►Album: Stark sein, 19961996 gab es auf Radio Eins ein Anrufspiel. Die Hörer sollten sich melden und Vermutungen darüber anstellen, wann wohl der erste Schnee fallen könnte. Ich bemerkte, dass ich zu dieser Frage gerade den passenden Soundtrack produziert hatte und mein Manager teilte dies dem Sender mit. "Schnee soll fallen" kam in die Rotation bei Radio Eins und wurde auch nach dem ersten Schneefall reichlich gespielt. Aber Zufälle gibt es ja nicht... Spieler►Album: Songs aus Drei Dekaden, 2011, LP & CD JESSICA „Spieler“Für meine erste feine Band JESSICA kam Ende 1985 die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen konnte. Wir spielten mit unserer kleinen Einstufung (eine Spielerlaubnis, mit der man in der DDR nicht nur das öffentliche Auftreten erlaubt, sondern auch die Höhe der Gage festgelegt bekam) praktisch jeden Tag des Jahres und gingen noch nachts oder vormittags ins Studio. Abends dann wieder irgendwo in ausverkauften Häusern, Hallen oder Sportplätzen. AMIGA hatte uns endlich einen Vertrag für unser erstes Album angeboten und wir gedachten mit diesem Album zu zeigen, dass wir mehr konnten, als Pophits zu schreiben. Also beschlossen wir, 1986 eine Kreativ- und Studiophase einzuläuten und danach nur noch in Tourneezyklen zu arbeiten. Die Skandale, die die 100-Tage-Tour „Spieler“ 1986 mit sich brachte, hab ich in meiner Biographie „Von Heute auf Morgen“ ausführlich beschrieben. Aber auch im Hause AMIGA wackelten die Wände, denn die kleine Band JESSICA hatte sich erlaubt, ihr Erscheinungsbild zu verändern. Auf den neu produzierten Songs hörte man Backingvocals, Bläsersätze und Jazzgrooves. Amiga-Chef Büttner tobte und erklärte uns für übergeschnappt. Uns war das egal. „Spieler“ wurde ein Hit und wir gingen 100 Tage lang auf Tournee… « zurück < Valparaiso (Sting / dt.: Eisbrenner)►Album: CD „Fremde Strände“ 2012Der Ruhm des großen lateinamerikanischen Dichters Pablo Neruda brachte mich eines Tages nach Valparaiso, traumhafte Stadt an der chilenischen Pazifikküste. Im Haus des Poeten, mit dem Blick auf die Bucht und das tosende Meer fiel mir natürlich Stings Song „Valparaiso“ ein. Ich setzte mich auf Nerudas Terrasse, nahm mein Notbuch für kreative Anfälle und den dazugehörigen Stift aus der Tasche und gab dem Lied seinen deutschen Inhalt. Vor mir die See und hinter mir die Arbeitsräume des Dichters, dessen magische Präsenz mir das Ringen um die Zeilen nicht gerade leichter machte. Wanderer►Album: CD HAUSBOOT „Strom ab“ , 2010M: Heiner Lürig / T: Eisbrenner Aus welcher Zeit kommen wir? In welcher leben wir jetzt? Und welche Zeit werden wir noch erleben? Wo verlaufen die Grenzen und sind sie für uns überhaupt erkennbar? Es gibt einschneidende Erlebnisse im Leben, nach welchen wir glauben in ein anderes Zeitalter geraten zu sein. Aber das ist meist sehr subjektiv betrachtet, denn selbst große geschichtliche Umwälzungen bringen dem Einen das Glück, können aber dem Anderen das Gegenteil von Glück bescheren. Lebt also eigentlich jeder sein eigenes Zeitalter? Eins bleibt sicher: Wir sind alle auf einer langen Wanderschaft. Genießen wir es. Finden wir uns. Wär nicht schwer►Album: Songs aus Drei Dekaden, 2011/ Hausboot – Strom ab, 2009Manchmal trifft man auf die große Liebe… Es blitzt, kracht und donnert und man weiß genau, dass man (s)einem möglichen Lebensglück gegenübersteht… und wie oft passiert einem das im richtigen Moment? Das Leben besteht zu siebzig Prozent aus verpassten Gelegenheiten… hat mal jemand gesagt. Wer auch immer dieses Lied hört, weiß, wovon da gesungen wird. Und so wurde es zu Hit. Weit hinter der Zeit►Album: Songs aus Drei Dekaden, 2011/ Mango 2005Eigentlich wollten André und ich mal ein ganzes Album mit Reggeastücken schreiben. Wir haben uns ja schließlich musikalisch über The Police gefunden und die fanden sich und ihren Sound nicht ohne Bob Marley & The Wailers… Na, vielleicht kommt das noch. Wenn der Abspann läuftWenn der Abspann läuft►Album: Hausboot "Strom ab" 2009M: Heiner Lürig / T: EisbrennerUnmerklich schlich sich in meine Texte zu „Strom ab“ ein Hauptthema ein: Der Blick auf das Leben, wenn man um die 50 ist. Irgendwie beginnt eine neue Zeitrechnung, eine neue Sicht auf die Werte des Lebens, man resümiert, setzt Prioritäten für die verbleibende Zeit… man kann plötzlich einschätzen, dass der Abspann nicht mehr ewig auf sich warten lässt. Man beginnt sich mit den möglichen Formen von Abschied vertraut zu machen. Wenn ich mit dem Teufel tanze►Album: Songs aus Drei Dekaden, 2011 / Spieler, 1986Mein Lieblingssong von meiner guten alten Band JESSICA. Wir schrieben dieses Lied Anfang’86 inspiriert von den Simple Minds und Sting bzw. seiner gerade neu entworfenen Soundmarke durch Brandford Marsalis am sopran-sax. Die FUN HORNS, die uns als Bläsersatz im Studio Rückenwind gaben, delegierten ihren Saxophonisten Volker Schlott ans sopran und er spielte so göttlich, dass ich süchtig wurde. Volker hat seither auf bestimmt zehn Stücken meiner Alben sopran spielen müssen und zum Glück tut er es immer wieder gern. „Wenn ich mit dem Teufel tanze“ widerstand mit nur einer kleinen Änderung der Zensur und durfte auf’s Album – unser erstes Album. Und selten war sich die Band so einig, wie mit diesem Lied. Wir folgen dem Wind►Album: Songs aus Drei Dekaden, 2011/ Stark sein, 1999 / No.9, 2005Ich fuhr zu Aufnahmen ins Madagaskarstudio und meinem Produzenten Heiner Lürig mit dem ICE ins Hannoversche. Heiner hatte mir am Vortag eine CD mit einem Songdemo geschickt, damit wir dann während der Studioarbeit schon darüber sprechen könnten. Als ich in Hannover ankam, hatte ich das Demo betextet und "Wir folgen dem Wind" war geboren. Es wurde zu einem meiner ersten Nachwendmedienerfolge und gedieh noch einmal durch unsere Akustikversion auf "No.9". Spätestens mit diesem Lied wurde Heiner und mir klar, dass wir ein gutes Autorenteam abgeben würden... Zeit dir dir bleibt►Album: CD HAUSBOOT „Strom ab“ , 2010 / EISBRENNER „3 Dekaden Songs“, 2011M: Lürig / T: Eisbrenner Als alle Songs für das Album unseres Projektes HAUSBOOT geschrieben waren, stellte sich heraus, dass sich beinah alles um die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit drehte. Unerkannte Helden von Gestern, Soldaten die aus den Schlachten als andere Menschen nach Hause kommen, Liebende im Abschied oder das Ende von Kindheit, Jugend… Leben. So wie die Wasser stromab fließen, verrinnt auch die Zeit und gestellt werden wird eines Tages die Frage: Was wirst Du tun, mit der Zeit, die D i r bleibt…? _8/8 Xoro►Album: CD „LUST“, 2001 und „Best Of - Die ersten Jahre“, 2011 (Eisbrenner & Der wilde Garten)Komp: Gogow / Text: Eisbrenner Georgi Gogow und mich führte eine kongeniale Sehnsucht zusammen. Er, dessen bulgarisch geprägte Kompositionen von seinen ostdeutschen Rockerkollegen selten gewürdigt oder gar gebraucht wurden und ich, dessen Kindheitsjahre in Bulgarien genau zum Gegenteil führten. Ich betextete eine komplette Kassette mit seinen Liedideen, die er mir einmal gab und machte so deutsche Songs aus Weltmusik. Wir gründeten das Projekt „Der wilde Garten“ und nahmen zwei Alben zusammen auf. Dies in den frühen Nachwendejahren, in denen die Szene Ost sich langsam erholte, ohne aber vorerst viel Innovatives zustande zu bringen. Wir ernteten große Anerkennung, ja Liebe beim Publikum, öffneten musikalisch (zusammen mit Tobias Morgenstern, Felix Lauschus und Manne Hennig) die Tore zur Welt und spiegelten mit Songs wie 8/8 Xoro (bulgarische Tanzform) auch das politische Befinden unserer Landsleute.
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